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Alles fertig vorbereitet. Und dann kommen die Messeabsagen.

Plötzliche Schubumkehr

Ein Schiff auf hoher See, volle Kraft voraus und plötzlich der Eisberg. Das Bild beschreibt die Lage der Messebau-Branche in diesem von der Corona-Krise betroffenen März. In vollem Lauf mussten alle Maschinen gestoppt werden.

Es ruckt gewaltig! Aber was bedeutet das für wen?

Die Aussteller sind von dem Ausbreitungsgeschehen des Virus und den damit verbundenen Messeabsagen mindestens so überrascht wie wir als Messebauer. Eine Messe, die nicht stattfindet, bedeutet für die Aussteller Kontakte, die sich verlieren oder schlicht nicht zustande kommen. Und sie bedeuten konkret: finanziellen Schaden. Denn die teils fertig produzierten Messestände kommen nicht zum Einsatz, müssen aber dennoch, zumindest anteilig, bezahlt werden.

Die Messebauer helfen ihren ausstellenden Kunden, so wie sie es verlässlich immer tun. Maximal flexibel, schnell und unbürokratisch. Diese Beweglichkeit ist das Besondere dieser Branche, die nicht umsonst „Möglichmacher“ genannt wird. Auch unser Unternehmen hat den Hebel sofort auf Schubumkehr gelegt, damit je nach Zeitpunkt der Stornierung nicht noch unnötig Kosten produziert werden. Auch wir lassen unsere Kunden in dieser für uns alle schweren Zeit nicht im Stich und helfen. Das ist unser Beitrag für die Gesellschaft, in der wir leben.

Maschinen gestoppt.

Die aktuellen Entscheidungen sind richtig

Denn eines möchten wir trotz drohender Branchen-Havarie deutlich zum Ausdruck bringen: Wir als Messebau-Unternehmen haben Verständnis. Für die Absagen oder Verschiebungen der Messen durch den Veranstalter. Und für die Absagen durch die Aussteller selbst. Denn eine abgesagte Messe hilft, die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu verlangsamen. Und es ist in der aktuellen Lage absolut kein Akt der Hysterie, eine Messe abzusagen. Dazu ein Gedankenspiel: Stellen wir uns vor, dass wir nach einer durchgeführten Messe den Medien entnehmen müssten, dass sich hier auch nur ein Infizierter aufgehalten hätte. Die Folgen wären Angst und vielleicht auch neu infizierte Menschen, die unter Umständen gar nicht mehr ausfindig gemacht werden können. Ein Schreckens-Szenario.

Schaden für die Messebau-Branche

Schutz der Gesundheit hat ohne Zweifel höchste Priorität. Aber auch die wirtschaftlichen Folgen verdienen Aufmerksamkeit. Konkret lautet die Frage, wer den „Möglichmachern“ angesichts der Absageflut hilft.  Eine ganze Branche ist in Seenot, wenn zu wenige Hilfen angeboten werden. Der für die Messebauer entstandene Schaden beläuft sich nach Angaben des FAMAB (Der Fachverband der Event- und Messebranche) für den Betrachtungszeitraum der KW 9-11 des Jahres 2020 auf 670.000.000 Euro. Man kann sich leicht ausmalen, dass ein solcher Flurschaden die Substanz der einzelnen Unternehmen angreift und in manchen Fällen auch aufzehrt.

Was wäre, wenn die Branche, die aus ca. 5.000 kleinen und mittleren Betrieben besteht und  etwa 150.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, nicht "nur" bereinigt, sondern zerlegt würde? Mal abgesehen von den vielen individuellen Schicksalen jedes einzelnen Unternehmens und seiner Belegschaft: Wie sähe dann der führende Messestandort Deutschland aus?

Die Zukunft

Eines ist sicher: Es wird eine Zeit nach der Coronakrise geben. Wenn die ausstellenden Unternehmen dann wieder zu den Messen gehen können und wollen, gäbe es nicht mehr viele leistungsfähige Messebau-Unternehmen. Sowohl der Ideenreichtum als auch das Können zur Umsetzung wäre verloren. Diese Kombination ist ein Schatz, der - einmal verschüttet - nicht mehr ohne weiteres gehoben werden kann. Denn ein Messebau-Unternehmen ist von seiner Anlage her sehr voraussetzungsreich. Typischerweise ist es daher meist schon viele Jahre, nicht selten sogar viele Jahrzehnte am Markt. Das ist die Zeit, in der es seine Substanz aufgebaut hat. Denn es braucht viel messetypisches Material, kostspielige Maschinen und eine große Zahl an teuren Werkzeugen, um die individuellen Wünschen der Kunden budgetgerecht erfüllen zu können. Aber vor allem braucht es das Wissen von gut eingespielten Teams mit ihren Ideen und dem riesigen Berg an Erfahrung. Das alles könnte nach einem Branchen-Crash nicht einfach aus dem Nichts wieder aufgebaut werden. Messebauer sind flexibel. Ja. Aber sie können nicht alles.

Ein führender Messestandort Deutschland ist nicht denkbar ohne alle (!) seine Messebauer.
Wir fordern also von den Verantwortlichen aus Politik und Regierung, dieser Branche über die akute Coronakrise hinwegzuhelfen.

Und in die Zukunft gedacht: Nach der Coronakrise wird ein perfekt funktionierender Messemotor mit voller Schubkraft dringend gebraucht. Denn das Zusammenbringen von Menschen und Märkten wird den gesamtwirtschaftlichen Genesungsprozess enorm beschleunigen.  Die Messebau-Branche könnte dann – flexibel wie sie ist – zum Rettungsschiff für andere werden.

 

Text: P. Hallmann